Diagnostischer Grundkoffer für die Berufs-, Studien- und Laufbahnberatung
1. Ausgangslage
In der Berufs- und Laufbahnberatung werden bei vielen beraterischen Fragestellungen psychologische Tests eingesetzt. Typische Fragestellungen sind beispielsweise die Abklärung der Interessen oder der Fähigkeiten.
Die Praxis weist eine grosse Vielfalt von Tests auf, so dass Beratungspersonen Schwierigkeiten bekunden, Tests auszuwählen und deren Qualität zu beurteilen. Deshalb hat die ehemalige Diagnostikkommission - heute Fachgruppe Diagnostik - Labels eingeführt, welche der Berufs-, Studien- und Laufbahnberaterschaft einen Überblick über die Tests geben; die Labels erleichtern die Auswahl von Tests und die Abschätzung ihrer Qualität.
Für die gleichen berufs-, studien- und laufbahnberaterischen Fragestellungen wenden die Beratungspersonen ganz unterschiedliche Instrumente und unterschiedliche Konstrukte an. Wünschenswert wäre eine Grundausstattung passender, bewährter und qualitativ hochstehender Verfahren.
2. Zweck
Der diagnostische Grundkoffer hat zum Zweck, für die Berufs-, Studien- und Laufbahnberatung die wichtigsten Tests zusammenzustellen. Kriterien sind dabei:
- Tests sollen die gängigen Gütekriterien erfüllen,
- eine hohe Akzeptanz in der Beraterschaft aufweisen und
- in der Ausbildung, Praxis, Forschung und Entwicklung sowie Weiterbildung gepflegt werden.
Das Konzept "Grundkoffer" zielt darauf ab, dass folgende Bereiche stärker miteinander verbunden werden:
- Grundausbildung in Berufs- und Laufbahnberatung,
- Praxis der Testanwendung auf den verschiedenen Beratungsstellen,
- Weiterbildung des SDBB,
- Forschung und Entwicklung, insbesondere durch die Fachgruppe Diagnostik.
Die Umsetzung des Kofferkonzeptes soll zu einer höheren Professionalisierung und Qualität des Testeinsatzes führen.
Beispiel: Bei der Abklärung der Interessen einer Jugendlichen mit geringen Deutschkenntnissen bewährt sich der Foto-Interessentest (F-I-T), weil der Test nonverbale Stimuli präsentiert, den Anforderungen der Gütekriterien entspricht und auf aktuellen Schweizerischen Normen beruht.
Der F-I-T wird in der Grundausbildung zur Berufs-, Studien- und Laufbahnberatung gelehrt und in der Praxis häufig eingesetzt. In den SDBB-Weiterbildungen wird regelmässig über Aktualisierungen des F-I-T berichtet.
3. Ziele
Die Berufs- und Laufbahnberatung soll sich für einige zentrale Instrumente entscheiden, ...
- die empfehlenswert sind,
- über die ein Label der Fachgruppe Diagnostik besteht,
- die als Grundwerkzeuge der Diagnostik in der Berufs-, Studien- und Laufbahnberatung angesehen werden können,
- die von der Fachgruppe Diagnostik bewirtschaftet werden (aktualisiert und auf den neuesten Stand gebracht werden),
- die in der Ausbildung für Berufs-, Studien- und Laufbahnberatung vermittelt werden,
- die ohne zusätzliche Lizenzierung erworben werden können,
- über die in Weiterbildungskursen des SDBB immer wieder aktuell informiert wird.
Beispiel: Der PSB kann als Grundwerkzeug der berufsberaterischen Diagnostik angesehen werden. Dieser Intelligenztest kann aber nicht empfohlen werden, denn das Modell und die Normen sind veraltet. Die Fachgruppe Diagnostik nimmt sich deshalb nicht dem PSB, sondern der Aktualisierung der Normen des verbesserten PSB, dem PSB-R an.In den Weiterbildungskursen wurden die Entwicklungen vorgestellt und sie sollen in Zukunft auch für die Grundausbildung in Berufs- und Laufbahnberatung eingeführt werden. Ausserdem wurden für die deutsche Schweiz Normen berechnet.
Es ist nicht das Ziel, einen verbindlichen Kodex der Verfahren aufzustellen, sondern ein Grundinstrumentarium zu erstellen. So gibt es durchaus Instrumente, welche die Anforderungen der Gütekriterien erfüllen und hohe Akzeptanz haben, aber nicht im diagnostischen Grundkoffer aufgenommen wurden. Aus Ressourcengründen muss aber die Fachgruppe Diagnostik die Grenze bei etwa 20 bis 25 Instrumenten festlegen.
4. Massnahmen
Die Fachgruppe Diagnostik hält den diagnostischen Grundkoffer für die Berufs-, Studien- und Laufbahnberatung mit den wichtigen Bereichen Interesse, Leistung, Persönlichkeit und Selbstdurchführung aktuell. Im Koffer sind zentrale Tests enthalten, welche die Fachgruppe Diagnostik für die Anwendung weiterentwickelt (z.B. Schweizer Eichungen, Reliabilitäts- und Validitätsüberprüfungen).
In den "Seitentaschen" befinden sich spezielle Tests, die nur bestimmte Berufs-, Studien- und Laufbahnberater/innen einsetzen und/oder die für bestimmte Situationen eingesetzt werden. Diese Tests der Seitentaschen werden nicht regelmässig, sondern nur bei speziellen Bedürfnissen weiterentwickelt.
Die Auswahl der Tests erfolgt aufgrund der beiden Kriterien "Gütekriterien" und "Akzeptanz".
Das Kriterium "Gütekriterien" betrifft mindestens die Hauptgütekriterien Objektivität, Reliabilität und Validität sowie das Nebengütekriterium Normierung. Aufgrund des Kriteriums "Akzeptanz" werden jene Tests gewählt, die häufig eingesetzt werden und bei Berufs-, Studien- und Laufbahnberater/innen hohe Relevanz besitzen.
5. Ausgewählte Instrumente (PDF zum Download)
6. Vorgehen
Daniel Jungo ist Projektleiter und wird von den Mitgliedern der Fachgruppe Diagnostik begleitet.
Im Frühling 2003 wurde bei den Institutionen, welche in der Aus- und Weiterbildung von Berufs-, Studien- und LaufbahnberaterInnen tätig sind, eine Vernehmlassung durchgeführt und im September 2003 wurde der diagnostische Grundkoffer am internationalen Fachkongress der AIOSP/IVSBB in Bern präsentiert. Seit Herbst 2005 informiert die Fachgruppe Diagnostik regelmässig über Neuerungen zum Grundkoffer.
Im Dezember 2005 wurde eine Testliste erstellt, welche seither - wie das Konzept zum Grundkoffer - regelmässig aktualisiert wird.
